In den 70er Jahre gehörte Ellen Wessinghage zu den Aushängeschildern der deutschen Leichtathletik. Der Sport hat sie nie wieder losgelassen – wie sie dem TV bei einem Besuch in Trier verriet
Na, dieses zierliche Persönchen sieht doch fast aus wie Ellen Wessinghage. Falsch, sie sieht nicht nur fast so aus, sie ist es. In den 70er Jahre war sie eines der Gesichter der deutschen Leichathletik. Eine attraktive Frau die meist vorneweg lief, mit 44 Kilogramm bei 1,58 Meter Größe ein wahrer Lauf-Floh. Markenzeichen: Nickelbrille
Jetzt mit fast 62 Jahren, hat sie sich kaum verändert. Nur die Brille fehlt. „Ich trage jetzt Kontaktlinsen“, sagt die Juristin, die Präsidiumsmitglied des Landessportbundes ist. „Das mit der Nickelbrille war Zufall“, plaudert sie, „ich trug eine ganz normale Brille. Die ist mit bei Wettkampf in Israel kaputt gegangen. Und dort gab es nur Nickelbrillen. Weil das damals schick war, habe ich es dabei belassen.“ Dem Sport ist sie nach dem abgeschlossenen Studium in vielfältiger Weise verbunden geblieben. Die Liebe gehört der Leichathletik, „die nicht so schlecht da steht, wie das beim Medaillenzählen scheint“. Das Problem liegt nach ihrer Ansicht nicht in der Nachwuchsförderung („Wir bringen sehr große Talente heraus“) sondern in der Zeit danach: „Der Übergang aus dem Nachwuchs- in den Erwachsenenbereich lässt viele scheitern.“ Der irgendwann steht jeder Aktive vor der Kardinalfrage: Sport, Studium oder Berufsausbildung? Das führt häufig dazu, dem Studium oder Beruf ganz oder teilweise den Vorrang zu geben.“ Und da liegt die Krux. „Wenn du den Sport nicht mit 100% betreibst hast du in der Weltspitze keine Chance“. Sie weiß wovon sie redet, denn ihr ältester Sohn ist mit einem Tennis-Stipendium an einem College in den USA.
Ellen Wessinghage ist im Landessportbund die Leiterin des Ressorts und Arbeitskreises „Frau im Sport“. In dieser Funktion war sie kürzlich „mit den Kolleginnen der Südschiene“ in Trier und sah sich ein Bundesligaspiel der TBB an. „Da beurteilen wir Maßnahmen, die schon laufen, oder denken darüber nach, welche wir noch anstoßen können.“ Langweilig wird es bei ihr nicht. Sie macht mit bei der „Tour der Hoffnung“, die krebskranke Kinder unterstützt, ist aktiv bei“emadeus“, dem Club der Sporthilfe-Athleten, und seit April 2004 Vorsitzende des Tennisclubs Boehringer Ingelheim
Ellen Wessinghage (früher Tittel) geboren am 28. Juni 1948 in Mühlbach
Mittel- und Langstreckenläuferin
Größte Erfolge
Europacupsiegerin 1500m/1970
EM-Bronzemedaille 1500m/1971
Studenten-Weltmeisterin 3000m/1974
Sportlerin des Jahres 1975
Zweifache Olympiateilnehmerin 1972/1976
38 Mal Deutsche Meisterin auf der Mittel- und Langstrecke
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